Im Kino: BLUTGLETSCHER

von guffinmac

Ein Gletscher färbt sich blutrot und eine Umweltreaktion bringt aggressive Kreuzungen von verschiedenen Tierarten hervor, die es auf die Bewohner einer Forschungsstation abgesehen haben. Der österreichische Regisseur Marvin Kren hat mit RAMMBOCK zu Recht von sich reden gemacht, aber sein neues Horrorgenre-Potpourri überzeugt weniger.

Bild

Die Stärke von Marvin Krens bemerkenswertem Regiedebüt RAMMBOCK lag darin, die Handlung vollkommen auf das Genreformat des Zombiefilms zu reduzieren. Er bewies damit handwerkliche Qualität und ein Gespür für Spannungsaufbau. Mit Psychologisierung wurde in RAMMBOCK nicht lang gefackelt: Ein bisschen Weltuntergangsstimmung und schon ging’s los mit dem munteren Zombieschlachten.

Kren hat sich offenbar vorgenommen das Horrorgenre „made in Austria“ durchzudeklinieren und zeigt sich mit BLUTGLETSCHER nun weit ambitionierter. Aus einer Ausgangssituation wie in John Carpenters THE THING wird mit einer Prise „Creature Feature“ ála  ALIEN eine Art Umwelthorrorfilm. Die Story ist damit deutlich komplexer geraten als in seinem Debütfilm und hat Potenzial.

Was aber leider nicht so gut gelingen will, ist der dramatische Aufbau und die psychologische Unterfütterung der Charaktere, die diese Story erfordert. Die hintergründig gemeinten Figuren bleiben farblos und schablonenhaft. Die Dialoge sind schmerzhaft hölzern und die Schauspieler sprechen sie fast durchgehend so, als müssten sie ein Gedicht in der Schule aufsagen. Ein Glück ist einzig Krens Mutter Brigitte Kren in einer (wichtigen) Nebenrolle als wehrhafte Umweltministerin, die den Film über weite Strecken auf ihren schmalen Schultern trägt. Sie liefert eine furiose One-Woman-Show ab und macht damit nur teilweise wett, woran es dem Jungregisseur offenbar (noch?) mangelt: einem Gespür für Charaktere und Schauspielführung jenseits von Genremechansismen.

Wenn die mutierten Kreaturen endlich vollends den Gletscher stürmen, ringt man dem bunten Treiben zwar trashige Qualitäten ab, aber für eine Identifikation des Zuschauers wurden die Zügel zuvor zu wenig straff gezogen. Trotzdem ist es Kren (und dem Produzenten) hoch anzurechnen, dass sie es wagen ein „Creature Feature“ in den Alpen anzusiedeln. Denn die fantasievollen Mutanten, die über den Gletscher jagen, machen schon Spaß. Mit viel Liebe zum Detail (und gut geklauten Einfällen) zeigt Marvin Kren, was er kann. Man darf gespannt sein welches Horrormotivs er sich das nächste Mal annimmt. Hoffentlich mit derselben Leidenschaft, aber besserem Drehbuch und sicherer Schauspielführung.

Advertisements